Galerie Steinek_2007_Julius Deutschbauer_Hello Gerhard How are you

"HELLO GERHARD HOW ARE YOU", Julius Deutschbauer,
Galerie Steinek, September 11 - November 3 2007

Galerie Steinek_2007_Julius Deutschbauer_Hello Gerhard How are you

"Deutschbauer endlich allein", 2007


Julius Deutschbauer

HELLO GERHARD HOW ARE YOU

Eröffnung am 11. September 2007 um 19 Uhr

12. September bis 3. November 2007

„Endlich allein“ sagt der Weltherrscher bei Konrad Bayer, nachdem er jedem seiner Untertanen zuerst die Liebe, dann das Essen und schließlich das Atmen verboten hatte. „Endlich allein“ sagt Julius Deutschbauer, und die Welt dreht sich weiter und weiter nichts. Was fehlt, wird einfach gezählt, und das Krumme ist gerade mal schief.

Ein Widerstandl ohne Widerstandler. Zwei Schwestern ohne Schwestern. Ein Wurmfortsatz ohne Fortsatz. Ein Flüchtlingsdrama am Lunzer See ohne Flüchtlinge, die Skyline von New York ohne Twins.

Zwei einsame Pappbecher, zwei Abdrücke auf einem Bett, zwei Kreise auf der Wasseroberfläche, ein Stück Himmel usw. Zwei minus eins ist null. Eins plus eins bleibt eins.

Das Werk eines einzelnen Mannes hieß die letzte Einzelausstellung von Julius Deutschbauer in der Galerie Steinek. Das war noch im letzten Jahrtausend. „Hello Gerhard, how are you?“ fragt er in seiner aktuellen Ausstellung. Damit befragt er noch einmal sieben Jahre Zusammenarbeit mit Gerhard Spring aus der Perspektive des Danach. Anhand von zehn ihrer über siebzig Plakate lässt er Das Duo als Ideal und als Wirklichkeit Revue passieren: mittels Fotos und in Arbeiten auf Leinwand, in Schaukästen und mittels Plakatübermalungen. Aber die Arbeiten bleiben auf eine fast gespenstische Weise leer. Die Bilder wirken auf eine unheimliche Art unfertig.  

Man könnte aber auch sagen, sie bestechen gerade durch ihre Leerstellen. Diese Leerstellen geben dem Betrachter die Möglichkeit, sie mit eigenem Material, persönlichem wie gesellschaftlichem Müll, zu füllen. Sie bieten Raum für eigene Phantasien, Projektionen usw.

Beckett verwendete in seinem Essay über Proust das Bild einer Wäscheleine. „Er kann das Gestern betrachten, wie es zum Trocknen aufgehängt ist… Denn sein Gedächtnis ist eine Wäscheleine, und die Bilder seiner schmutzigen Wäsche aus der Vergangenheit sind erlöst und unfehlbar gefällige Diener seiner Erinnerungsbedürfnisse.“ Julius Deutschbauer spannt im übertragenen Sinn eine solche quer durch seine Ausstellung, um darauf einige übertragene Wäschestücke zu hängen. Jeder Besucher sei jedoch aufgefordert, diese Wäscheleine, die Wäscheleine eines anderen, für eigene Wäschestücke zu benutzen. 

 „Ich kann nicht treu sein“, sagt Deutschbauer nüchtern und träumt sich in eine wilde, promiskuitive Zukunft hinein. Vorerst gibt er sich allerdings noch als Armer Schlucker wie demnächst fürs Tanzquartier Wien (Lange Nacht der Museen, MQ Haupthof, Sa 6.Okt. 13.00 – 01.00) oder arbeitet sich an sieben Jahren Treue ab, wie bis 3. November in der Galerie Steinek.