AFTERWARDS    

2017
> Renate Bertlmann
#It´s You too / Renate Bertlmann
> Anouk Lamm Anouk / I miss the place where I am from
> EASE / Robert Barry / Günther Förg / Tony Oursler / Keith Sonnier
> Artissima / VIVACE with Renate Bertlmann, Natalia LL and Jana Sterbak
> Curated by Eva Fabbris / LIVE END DREAM NO
> everybody anybody / group show
> liquid democracy / Monika Piorkowska, Curated by Angela Stief
> KeramiK Curated by Dietgard Grimmer with Jessica Lajard Barbara Reisinger Jeanne Susplugas Elmar Trenkwalder Gerold Tusch

2016
> Sébastien de Ganay / Non Places
> Clemens Wolf / Grounded
> Curated by / Michel Blancsubé / I´ve decided to be happy because it´s good for one´s health / Jana Sterbak
> Olga Georgieva / Looking for score
> Gudrun Kampl / Ornament oder Verbrechen
> Dieter Roth / aus einer Sammlung Exil, Selbstbildnis, Speedy-Drawing, Taschenzimmer
> VIVACE / Renate Bertlmann, Gloria Friedmann, Natalia LL, Jana Sterbak

2015
> Curated by / Myriam Ben Salah, Like The Deserts Miss The Real, Sarah Abu Abdallah, Abdullah Al Mutairi, Marwa Arsanios , Gcc, Raja’a Khalid
> Larbi Cherkaoui
> Julius Deutschbauer Klaus Pobitzer / Habs-Burgerstand, Ein Prä-Resümee
> Ilse Haider / le circuit heroesque
> Matthias Herrmann / On Photography
> Verortungen / Alyce Aycock, Peter Hopkins, Tania Kitchell, Ken Lum, Paul Morrison , Georges Rousse, Michaela Spiegel, Clemens Wolf
> Gudrun Kampl / Value Love Word Cell
> Curated by / Peter Stastny / Good NIght, Mister Procrustes / Francis Alÿs, Zipora Fried, Jim Shaw, Katrin Sigurdardottir, Kiki Smith, Jana Sterbak, Jeanne Susplugas

2014
> Olga Georgieva / Invisible Beijing
> Papier / Alan Davie, Günther Förg, Oswald Oberhuber, Tony Oursler, Peter Weibel
> Over Again Forever / Sébastien de Ganay
> Michaela Spiegel / Standbilder
> Emmanuel Régent / Pendant qu´il fait encore jour

2013
> Curated by Caroline Smulders / Bertrand Lavier
> Clemens Wolf / Untitled, Die Theatralik der Bedeutungslosigkeit
> Go to references / Ilse Haider
> Julius Deutschbauer / Möbel, Topfenflanzen, Urlaubsreisen
Olga Georgevia / Unverschämt Unwiderstehlich

BEFORE

Märchen Mythos Marotte

KATARZYNA KOZYRA / DAVID LEVINTHAL / MICHAELA SPIEGEL / JOEL PETER WITKIN / CLEMENS WOLF

16. März bis 28. April 2011

Clemens Wolf, „Never ending Story“, 2011
 
Die aktuelle Ausstellung Märchen, Mythos, Marotte thematisiert die Imagination, das Märchenhafte und Mythische als Thema der Kunst. Bei Katarzyna Kozyras Videoarbeit summertale, aus dem Zyklus in art dreams come true ist der Titel Programm: Kozyra hat sich im Rahmen des Zyklus bereits in unterschiedlichen Rollen imaginiert. Sie zeigt, wie weit persönliche Grenzen ausgedehnt werden können, etwa wenn sie sich zur irritierend guten Opernsängerin ausbilden lässt. Im märchenhaften Setting des summertale inszeniert sie sich als Alice im Wunderland unter kleinwüchsigen Darstellerinnen. Märchen operieren mit ähnlichen Verfahren wie der Traum. Sie verschieben und verdichten Bedeutungen; das Märchen wird so zum nightmare und auch die Idylle in Kozyras Arbeit nimmt eine grausame Wende... Das Imaginative und Surreale findet sich auch bei Joel Peter Witkins Fotoarbeiten wieder. Während Witkin in seinen Montagen deformierter Körper die verdrängte Physis und Vergänglichkeit an die Oberfläche holt, sind Michaela Spiegels Kinderportraits ein Bruch mit dem Mythos der Kindheit. Ihre mit goldener Schrift bedruckte Pelzjacke kreiert sich ihren eigenen Mythos. Sie verkehrt die männliche Imagination der Frau, symbolisiert in seiner Hülle, in sein Gegenteil. Das Luxusaccessoire behüteter Damen wird zum Symbol weiblicher Selbstbestimmtheit und Potenz. David Levinthal greift in seinen inszenierten Fotografien die Nibelungen-Sage auf. Der Mythos als Verdichtung gesellschaftlicher Wertvorstellungen und die naive Faszination der Gegenwart am Mittelalter stehen im Zentrum dieser Arbeit. Clemens Wolf Installation Never ending story inszeniert zersägte Einkaufswagen als Ruine des Konsumismus. Die mit Ölfarbe überzogenen Objekte scheinen im Boden zu versinken. Wolfs Arbeit schafft die Verbindung des Mythos zur Gegenwart. Im Kreislauf der Wirtschaft wird der geistige Überbau zur Marotte. 
 
 
 

Katarzyna Kozyra, „Summertale“, from the series, In Art Dreams Come True, 2009 
 
Katarzyna Kozyra, geboren 1963 in Warschau/ Polen. Studierte Bildhauerei an Warschaus Akademie der Schönen Künste. Bereits mit ihrer Abschlussarbeit sorgte sie für Aufsehen: Für die Arbeit Animal Pyramid, (1993) eine Installation in Anlehnung an Grimms Bremer Stadtmusikanten platzierte sie 4 ausgestopfte Tiere übereinander: ein Pferd, einen Hund, eine Katze und einen Hahn. Die Arbeit umfasste auch ein Video, das dokumentierte, dass das Pferd eigens für die Installation getötet wurde. Eine Überschreitung für eine Gesellschaft, die das Töten von Tieren nur in Verwertungszusammenhängen akzeptiert. Eine Transgression, auch vom lebenden in den toten Körper, vom Tier zum Kunstobjekt. Obwohl sie nach ihrem Studium mit Fotografie, Video und Performance zu anderen Medien wechselte, war diese Arbeit prototypisch für Kozyras Werk: Sie begründete ihren Ruf als Polens Skandalkünstlerin und beinhaltet einige wichtige Themen ihrer Arbeit: Transgression von Körperlichkeit, das Bewusstmachen gesellschaftlicher Regeln; die Kunst als Ort, der Überschreitungen möglich werden lässt.  Mit der Arbeit Men´s bathhouse, die 1999 im polnischen Pavillon der Biennale von Venedig gezeigt wurde, erlangte sie auch internationale Aufmerksamkeit: Als Mann verkleidet erkundete sie mit versteckter Kamera das Verhalten in einer reinen Männergesellschaft. Geschlecht als Performance, der Körper als Verkleidung ist auch eines der Hauptmotive im Zyklus in art dreams come true (2003-2008), zu dem summertale gehört. Bei dieser Videoarbeit tauchen einige Figuren auf, die bereits aus wintertale bekannt sind. Die märchenhafte Welt der kleinwüchsigen Darstellerinnen, the midgets, wird vom Berliner Transvestit Gloria Viagra, dem Maestro, Kozyras Gesangslehrer für die Videoperformance Il Castrato und Kozyra selbst verkleidet als Alice im Wunderland geentert. Die Darsteller drücken ihre Gefühle in gesungener Sprache, in Form von Opernarien aus. 
 
 
 

David Levinthal, Die Nibelungen (Siegfrieds Tod), 1994
 
David Levinthal wurde 1949 in San Francisco geboren und lebt und arbeitet in New York. Mittels kleiner Spielzeugfiguren und der Bildersprache des Populärmediums Film stellt Levinthal Szenen nach. Neben den Nibelungen hat er auf diese Weise Fotos vom Irakkrieg, Szenerien aus Pornofilmen und Bilder vom Massenmord durch die Nationalsozialisten inszeniert. Die kleinen Figuren als Akteure lassen uns, die Betrachter selbst, klein werden. Der Rezipient wird zum Beteiligten an der Szene; als Täter, Opfer oder passiver Voyeur. Gerade das hoch gesteigerte Artifizielle der Darstellung führt uns näher, auf einer emotionalen Ebene direkter, ans Geschehen als so mancher gut gemeinte didaktische Versuch. Vieles in Levinthals Bildern ist out of focus und wird gerade dadurch more real. Gerade an der vermeintlichen Distanz durch Unschärfe und Formulierung in einem Populärmedium entzündet sich die Brisanz seiner Arbeiten. Levinthal hat die American Beauties ebenso untersucht wie die Nibelungen. Gerade die Vorbelastung eines Themas weckt sein Interesse, erfordert die szenische Nachstellung, welche stets zur scharfen Analyse gerät. 
 

Michaela Spiegel, „L’image de l’enfance perdue“, 2008-2010
 
 
Die 1963 in Wien geborene Künstlerin Michaela Spiegel setzt sich in ihren Arbeiten auf kritische, oft sarkastische Weise mit sehr persönlichen und zugleich politischen Themen wie Angst, Aggression, Sexualität, Rollen- und Beziehungssystemen auseinander. Im Zentrum steht die Frau, das Brechen mit tradierten Verhaltensmustern und Sehgewohnheiten. Bei der Wahl der Bildtitel kommt auch der ausgeprägte Sinn der Künstlerin für Wortwitz zum Tragen („Hotel Angst“, „Nice to meat you“). Das Wort als Schlüssel zum codierten Unbewussten bildet den Ausgangspunkt ihrer Arbeiten und kann als konzeptuell verstanden werden. Technisch spiegelt sich die Unterscheidung von verschiedenen Denkebenen, Realität und subjektivem Empfinden in der Schichtung von klassischer Malerei (Öl auf Temperauntermalung) und Tintenstrahldruck oder Acryldruck auf Leinen.
Michaela Spiegel studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und der Ecole Nationale Superieure des Beaux-Arts in Paris.
 

Joel-Peter Witkin, „Bad Student“, 2007

 
Joel-Peter Witkin wurde 1939 in Brooklyn, New York City geboren. Er arbeitete von 1961 bis 1964 als Kriegsfotograf im Vietnamkrieg. 1967 entschloss er sich, als freiberuflicher Fotograf zu arbeiten. Später studierte er Bildhauerei und Kunstgeschichte. Witkins Werke beschäftigen sich oft mit dem Tod, Leichen und verschiedenen, äußerlich außergewöhnlichen Menschen wie Zwergenwüchsigen, Transsexuellen, Hermaphroditen und körperlich deformierten Personen. Seine komplexen Tableaux vivants zeigen sind oft an religiöse Szenen oder klassische Bilder der Kunstgeschichte angelehnt. Aufgrund der transgressiven Natur seiner Werke wurde seine Arbeit kontrovers diskutiert. Witkins Werk ist deutlich vom Surrealismus, insbesondere von Max Ernst, geprägt. Seine fotografischen Techniken basieren auf denen der frühen Daguerreotypie und den Werken von E. J. Bellocq.Witkin benutzt eine intuitive Technik bei der Herstellung des Bildes, er bearbeitet das Negativ direkt mit Kratzern oder bleicht oder tönt das Bild nachträglich.
 
Clemens Wolf, geboren 1981, lebt und arbeitet in Wien. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Destruktion und Verfall als Phänomen im öffentlichen Raum. Bereits während seiner Studienzeit bei Ursula Hübner an der Kunstuniversität Linz fing er an, verfallene Gebäude in urbanen Räumen zu suchen und sie mittels einer Kombination aus Öl- und Schablonentechnik zum Gegenstand seiner Malerei zu machen. In seinen Arbeiten strebt der Künstler nach der Ästhetisierung des Zerfalls und der Mehrdeutigkeit der Zerstörung inmitten der Schnelllebigkeit urbaner Räume. 2009 erhielt Clemens Wolf den STRABAG art award.