Carol Rama

Eröffnung : 15. März 2005, 18 bis 20 Uhr

Ausstellungsdauer: 15. März bis 29. April 2005

in ZUsammenarbeit mit Franco Masoero

 

Carol Rama, Little Big Horn, 2002

Carol Rama, La mucca pazza (M.P. 3-8), 2001

 

Carol Rama nimmt in ihrem Frühwerk (ab 1936) eine radikale, tabubrechende Position ein, in der sie vieles vorwegnimmt, was die künstlerische Auseinandersetzung mit Körper und Sexualität in den 1960er und 1970er Jahren kennzeichnet. In ihren fragilen Aquarellen malte und zeichnete sie erotische Szenarios mit oft fragmentierten, verletzten Körpern von vornehmlich Frauen oder mit sexueller Symbolik besetzte Objekte, wie Schuhe und Prothesen oder auch Tiere. In den 1950er Jahren wandte sie sich der Abstraktion zu, um in der Folge in diese Bilder wiederum körperspezifische Materialien einzuarbeiten, wie Tierkrallen, Fell, Puppenaugen oder Gummischläuche. Seit Anfang der 1980er Jahre beschäftigt sich Carol Rama verstärkt wieder mit ihrem frühen Thema, der erotischen Zeichnung. Alltagsthemen fließen hier ebenso ein wie mythische Figuren, die – wie fast ihr gesamtes Werk – immer auch eine ironische Note haben. Carol Rama nimmt als Künstlerin in ihrer Generation eine herausragende Position ein. Sie wurde 1918 in Turin geboren und wuchs als jüngste Tochter eines Turiner Fabrikanten auf. Als Künstlerin Autodidaktin, fand Carol Rama in Felice Casorati, dem damals berühmtesten Maler Turins, einen Förderer. Als wichtigen Anstoß zur eigenen künstlerischen Arbeit bezeichnete Carol Rama einmal die familiären Belastungen ihrer Jugend, u. a. die Krankheit der Mutter. 1988 äußerte sie: „Ich merkte, dass das Malen mich von der Angst befreite, die auf mir lastete wegen all dem, was in meiner Familie geschah, und in eine Angst umwandelte, die mich zu all dem brachte, was die Gesellschaft allgemein als einen Affront bezeichnet. Ich kann nicht leugnen, dass mir dieses Spiel gut gefiel und dass ich es bis ins Äußerste trieb.“ Wie der Dichter Edoardo Sanguineti schreibt, ist Carol Rama „ein ausgezeichnetes Beispiel für eine Künstlerin, die bei der ersten Materialisierung ihrer innersten Fantasien ein Schauder von erschrockenem Staunen erfasst und die dann für eine lange Zeit mit brennendem Exorzismus versucht, diese Fantasien abzukühlen, sie zu umkreisen, sie neutralisiert auf eine Kette von gleichwertigen Lösungen zu projizieren, die aber kontrollierbar und aushaltbar sind, und ich denke, wir können ebenfalls sagen, schmerzlos, indem sie mit den Mitteln abstrakter Objektivierung scharfsinnig temperiert und geschickt filtert und dennoch die ursprüngliche Spannung aufrechterhält“ (aus: „L’esilio e il ritorno“).

 

Text: Galerie Taxispalais, Innsbruck, anlässlich der Ausstellung Carol Rama „Appassionata“, die im Jahr 2004 gemeinsam vom Ulmer Museum (Brigitte Reinhardt) und der Galerie im Taxispalais (Silvia Eiblmayr) organisiert und im Herbst 2004 in Ulm und im Winter 2004/05 in Innsbruck gezeigt wurde. (Katalog) 2004 wurde Carol Rama auch von der Stiftung Sandretto Re Rebaudengo in Turin eine Retrospektive gewidmet, die anschließend im Mart in Rovereto und im Baltic in Newcastle, England, zu sehen war. (Katalog) Carol Rama erhielt im Sommer 2003 den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig.

 

Zum ersten Mal wird Carol Rama mit einer Einzelausstellung in Wien mit neuen Arbeiten zu sehen sein.